Yvonne, Prinzessin von Burgund

Yvonne, Prinzessin von Burgund

Aufführung Oberstufentheater 2020 (05.02. und 06.02.2020)

Ein Ehepaar betritt die Bühne, gefolgt von Freunden, und bewundert den Sonnenuntergang.

Mit dieser romantischen Szene begann die diesjährige Produktion des Profilkurses der Oberstufe des Rupert-Ness-Gymnasiums: Zur Aufführung wurde Witold Gombrowicz' Märchenspiel von der schweigsamen Yvonne, Prinzessin von Burgund, gebracht, basierend auf der Übersetzung von Olaf Kühn, unter der Regie von Heribert Erbertseder. In dieser unschuldigen Stimmung wird aber schnell der wahre Charakter des Paares, Königin Margarete (kalt und intrigant: Sabrina Ludwig) und König Ignaz (hinterlistig: Simon Kirchmayer), offenbar: Sie gieren nur nach Aufmerksamkeit und Bewunderung ihrer Gesellschaft. Das Paar, dezent modernisiert und -wie das gesamte Spiel - in die Jetztzeit gestellt als High-Society-Paar, zeigt sich von seiner besten Seite, um von ihrer Gesellschaft, die sie mit ihren Handys auf Schritt und Tritt verfolgt, hofiert zu werden: Sie geben einem armen Bettler (bemitleidenswert: Martino Hopfenzitz) eine großzügige Gabe. Allerdings, dies wird sofort klar, nicht aus gutem Willen, sondern um sich damit medial zu brüsten. Einfallsreich umgesetzt durch die Projektion der Smartphonebilder auf eine neben die Bühne gesetzte Leinwand.

Und der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm: Schon erscheint Prinz Philipp (treffend arrogant gezeichnet: Yannik Brey) mit seinen Freunden (rumscharwenzelnd: Georg Waldmann und Laurin Ripfel) und beschließt aus Langeweile und um seine Eltern zu provozieren, die ihm fremde, sonderbare Yvonne (beeindruckend: Romana Albrecht) zu heiraten, sehr zur Freude der beiden Tanten (slapstickhaft und mutig: Manuel Deinzer und Eric Dering), die versuchen, Yvonne, die während des gesamten Stückes, auch in größter Bedrängnis kaum ein Wort von sich gibt, an den Mann zu bringen, um für ihr Alter vorzusorgen. Um den nahenden Skandal zu vermeiden und ihr Ansehen zu retten, willigen die Eltern ein. Und so ziehen Yvonne ins Schloss und in den höfischen Alltag Verwirrung und Ratlosigkeit ein. Allein der Kammerherr (mit Übersicht: Niklas Kirchmayer), unterstützt von der Dienerin Valentina (mit viel Spontaneität: Emely Betrich), versucht die Geschehnisse zu lenken, damit sie nicht vollends aus dem Ruder laufen.

Die Aufnahme Yvonnes sorgt aber bei den Hofdamen (bezaubernd: Amelie Arnold, Camille Falckenberg, Anna Michall, Lena Schreier) für Spott und Verzweiflung. Denn Yvonne ist nicht nur äußerst schweigsam, sondern reagiert auch kaum auf ihre Mitmenschen. Die Gesellschaft unternimmt zahlreiche Versuche, um Yvonne zum Sprechen zu bewegen. Dabei machen die Hofschranzen nicht nur sich selber lächerlich, sondern es dringen durch das beredte Schweigen Yvonnes auch bisher unbekannte Seiten der Hihg Society ans Licht: Die Damen des Hofes zerfleischen sich auf offener Bühne, der König legt seine Verfehlungen offen dar, die Königin entlarvt sich als dilettierende Dichterin, die Würdenträger (demütig: Martino Hopfenzitz, Laurin Ripfel, Eric Dering) erweisen sich als rückgratlose Bücklinge. Allein ihr ehemaliger Verlobter (überzeugend: Martino Hopfenzitz) erhebt Einspruch gegen die erniedrigende Behandlung Yvonnes, aber - wie sich herausstellt - nur solange, bis er seine wahren, egoistischen Gründe offenlegt.

Und so nimmt das Unheil seinen Lauf: Prinz Philipp verliert schnell das Interess an Yvonne und bandelt vor aller Augen mit der hübschen Hofdame Isa (betörend: Bianca Merk) an. Die Verabscheuung gegenüber Yvonne wächst und sehr schnell schmieden alle Parteien Pläne, um die künftige Prinzessin loszuwerden. Dabei werden die Ideen immer perfider, die Mordlust steigt, und am Schluss tut ein Orka sein Übriges. Die ganze Gesellschaft aber sieht zu, unternimmt nichts und beteiligt sich somit am Komplott.

So zeigt das Stück nicht nur das tragische Märchen der schweigsamen Yvonne, welche die eitle Oberschicht erzürnt und zum stillen, introvertierten Spielball der lauten, extrovertierten Oberschicht wird, sondern das Spiel führt hochaktuell vor Augen, wie weit Mobbing, Ausgrenzung und Diskriminierung führen können. Überdeutlich als Botschaft am Ende des Stückes durch den eingeblendeten Hashtag #Gaffengehtgarnicht markiert.

Die Aussage des Stücks unterstich das kühle, in seiner Schlichtheit bestechende Bühnenbild (kreativ entworfen: Heribert Erbertseder): Fünf Metallgestelle, mit Alublechen gefüllt, ließen sich mit schnellen Handgriffe der Kulissenschieber (souverän wie immer: Mario Pohl und Jonas Pietsch) und wenigen zusätzlichen Kulissen zu den verschiedenen Schauplätzen des Spiels umfunktionieren: Mal stellten sie einen Park, mal ein intimes Gemach, dann den Schlosssaal dar, aber immer ausgeleuchtet durch die Farbregie (unter Leitung von Heinz Gumpinger mit Team), die dem Spiel eine zauberhafte, aber mitunter gespenstische Atmosphäre verlieh. Das an sich traurige Stück und die beklemmende Botschaft wurden mit viel Spielwitz und sichtlicher Freude der Spieler dargeboten, so dass die Moral mit einem lachenden und weinenden Auge erkannt wurde. Ein äußerst gelungener Theaterabend, in dem die Schüler nicht nur handwerklich überzeugten, sondern sich auch mit einer engagierten Botschaft ins Gedächtnis der Zuschauer spielten. Zu recht großer Applaus der (leider nur wenigen) Zuschauer.

Yannik Brey/Heribert Erbertseder